Initiative für Kultur und Bildung - 12M26 - Kunst. Ästhetik. Emanzipation. Comments http://kunst.blogsport.de Sun, 17 Dec 2017 20:08:30 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 by: Das letzte Wort http://kunst.blogsport.de/2017/06/21/ist-das-kunst-ja-aber-alles-andere-als-gute/#comment-34 Mon, 26 Jun 2017 13:22:47 +0000 http://kunst.blogsport.de/2017/06/21/ist-das-kunst-ja-aber-alles-andere-als-gute/#comment-34 Dann bringen wir noch schnell die abschließende Debatte vom 21. und 22. Juni aus dem schon erwähnten facebook-Disput zwischen Hannes und Mapec: Hannes Schalk: Dann ist ja alles gut! Kapitalismuskritik geht nicht ohne Herabsetzung der Fremden zur "Landplage" (Zitat aus "Lass uns mit dem Krach in Ruhe") und beleidigtes lamentieren darüber das Miltenberg durch einen Brunnen zur "Kleinstadt der Pisser" wird. Checkt eure Kritik am "kapitalen Spektakel" ihr Kunstboys. Martin Mapec: Landplage - da sind wir auf der Erscheinungs-, nicht auf der Analyseebene. Und so lange da keine Begriffe wie Ratten oder Heuschrecken oder anderes in der landläufigen Meinung auszurottendes Getier kommen, ist das auch vertretbar. Und warum du die Touris, die uns so gleich sind, als "Fremde" adeln willst ... unverständlich. Und sonst: Es wird nicht lamentiert, es wird festgestellt und angeklagt. Und die Kunstboys (übrigens: auch die Kunstgirls) checken beständig - und zwar alles, lieber Hannes. Der Beitrag aber war eine Einzelmeinung, als Glosse erkennbar (Polemik und so ...). Hannes Schalk: Also die Unterscheidung von Touri (Fremd) und Miltenberger (Heimisch) wird doch in den Texten aufgemacht. Mir das jetzt unterschieben zu wollen ist ziemlich frech. Das Polemik (ähnlich wie Ironie oder Satire) offenbar auch alles dürfen soll ist wohl ein Zeitphänomen aber deswegen, oder vielleicht gerade deshalb, noch lange nicht gut. Ps: Sorry aber diese vermeintlich kritischen Texte sind es mir wirklich nicht wert eine ausführliche Kritik zu schreiben um die eigentlich auf der Hand liegende Bessesenheit von Touris und prvinzieller Idylle nachzuweisen. Over and out. Ihr Landplagen. Martin Mapec: Also gut, dann lasse ich dir das letzte Wort und gebe nach, das machen ja die Klügeren generell so. (Vorsicht Humor!) Hannes Schalk: Amen. Dann bringen wir noch schnell die abschließende Debatte vom 21. und 22. Juni aus dem schon erwähnten facebook-Disput zwischen Hannes und Mapec:

Hannes Schalk: Dann ist ja alles gut! Kapitalismuskritik geht nicht ohne Herabsetzung der Fremden zur „Landplage“ (Zitat aus „Lass uns mit dem Krach in Ruhe“) und beleidigtes lamentieren darüber das Miltenberg durch einen Brunnen zur „Kleinstadt der Pisser“ wird. Checkt eure Kritik am „kapitalen Spektakel“ ihr Kunstboys.
Martin Mapec: Landplage – da sind wir auf der Erscheinungs-, nicht auf der Analyseebene. Und so lange da keine Begriffe wie Ratten oder Heuschrecken oder anderes in der landläufigen Meinung auszurottendes Getier kommen, ist das auch vertretbar.
Und warum du die Touris, die uns so gleich sind, als „Fremde“ adeln willst … unverständlich.
Und sonst: Es wird nicht lamentiert, es wird festgestellt und angeklagt. Und die Kunstboys (übrigens: auch die Kunstgirls) checken beständig – und zwar alles, lieber Hannes. Der Beitrag aber war eine Einzelmeinung, als Glosse erkennbar (Polemik und so …).
Hannes Schalk: Also die Unterscheidung von Touri (Fremd) und Miltenberger (Heimisch) wird doch in den Texten aufgemacht. Mir das jetzt unterschieben zu wollen ist ziemlich frech. Das Polemik (ähnlich wie Ironie oder Satire) offenbar auch alles dürfen soll ist wohl ein Zeitphänomen aber deswegen, oder vielleicht gerade deshalb, noch lange nicht gut. Ps: Sorry aber diese vermeintlich kritischen Texte sind es mir wirklich nicht wert eine ausführliche Kritik zu schreiben um die eigentlich auf der Hand liegende Bessesenheit von Touris und prvinzieller Idylle nachzuweisen. Over and out. Ihr Landplagen.
Martin Mapec: Also gut, dann lasse ich dir das letzte Wort und gebe nach, das machen ja die Klügeren generell so. (Vorsicht Humor!)
Hannes Schalk: Amen.

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by: gefunden auf Facebook http://kunst.blogsport.de/2017/06/21/ist-das-kunst-ja-aber-alles-andere-als-gute/#comment-33 Thu, 22 Jun 2017 06:56:16 +0000 http://kunst.blogsport.de/2017/06/21/ist-das-kunst-ja-aber-alles-andere-als-gute/#comment-33 Mapec hatte noch am 21. Juni auf seiner Facebook-Seite einen Link zu unserem Beitrag gesetzt. Seine Überschrift: Ist das Kunst oder kann das weg? Darauf die Künstlerin Yvonne M. Klug: Die Frage lautet für mich anders: Was ist Kunst und was kann weg? Jürgen A.: Echt jetzt? Wo steht das Meisterwerk genau? Schick mir bitte ein Selfie! Sind die Redaktionen von Extra 3 und Titanic schon in Kenntnis gesetzt worden? Hat sich der Bürgermeister mit den drei Buben fotografieren lassen? Was sagen die Femministinnen der Stadt dazu? Hat sich die AfD schon empört? Ich finde ja, dass das Denkmal schon aus genderpolitischen Gesichtspunkten zu kritisieren ist. Es zeigt eindeutig drei Personen, die als Cis-Männer zu identifizieren sind. Eine transgender Person hätte schon mit dazu gemusst. Ute H. meinte: Ich empfinde pinkelnde Männer nicht als Kunst. Darauf Mapec: Kunst hat nix mit gut zu tun. Es gibt auch Kunst, die einfach sch..... ist. Yohazid zeigte ein Foto von zwei Vollpfosten des "Islamischen Staates". Diese reißen etwas nieder, dazu die Schrift: Ist das Kunst? Ja. Kann weg. Zwischen Hannes Schalk und Mapec entwickelte sich ein kleiner Disput. Hannes: Den Miltenbergern das was ihnen gehört. Ich finde den Brunnen perfekt. In jeder Hinsicht. Den Biergarten bei der Minigolfanlage auch. War in den letzten Jahren kaum in Biergärten, aber jetzt habe ich wieder Lust darauf. Darauf Mapec: An Hannes: Ach du Miesepeter! Noch vor Jahresfrist hättest du selbst so eloquenten Verhau geschrieben. Und heute nix als hemdsärmeliger Kulturpessimismus. Adorno und Marx wären not amused! Hannes Schalk erwiderte: Kann ich nicht glauben. Dieser Tourihass mit fast xenophober Tendenz und Verteidigung der Dorfromantik sind mir schon lange zuwieder. Adorno war übrigens nicht ganz dicht in dieser Hinsicht was sein Odenwaldfetisch eindrucksvoll belegt. Wobei... die Wälder finde ich auch echt nicht übel. Mapec: Also da hast du jetzt was völlig falsch verstanden und die Kritik am kapitalen Spektakel mit Xenophobie verwechselt. Darüber müssen wir mal reden. Schön, wenn sich soviel an Rückmeldungen ergibt. Nur: Warum nicht auf unserem Blog? Mapec hatte noch am 21. Juni auf seiner Facebook-Seite einen Link zu unserem Beitrag gesetzt. Seine Überschrift: Ist das Kunst oder kann das weg?
Darauf die Künstlerin Yvonne M. Klug: Die Frage lautet für mich anders: Was ist Kunst und was kann weg?

Jürgen A.: Echt jetzt? Wo steht das Meisterwerk genau? Schick mir bitte ein Selfie! Sind die Redaktionen von Extra 3 und Titanic schon in Kenntnis gesetzt worden? Hat sich der Bürgermeister mit den drei Buben fotografieren lassen? Was sagen die Femministinnen der Stadt dazu? Hat sich die AfD schon empört? Ich finde ja, dass das Denkmal schon aus genderpolitischen Gesichtspunkten zu kritisieren ist. Es zeigt eindeutig drei Personen, die als Cis-Männer zu identifizieren sind. Eine transgender Person hätte schon mit dazu gemusst.

Ute H. meinte: Ich empfinde pinkelnde Männer nicht als Kunst.
Darauf Mapec: Kunst hat nix mit gut zu tun. Es gibt auch Kunst, die einfach sch….. ist.

Yohazid zeigte ein Foto von zwei Vollpfosten des „Islamischen Staates“. Diese reißen etwas nieder, dazu die Schrift: Ist das Kunst? Ja. Kann weg.

Zwischen Hannes Schalk und Mapec entwickelte sich ein kleiner Disput. Hannes: Den Miltenbergern das was ihnen gehört. Ich finde den Brunnen perfekt. In jeder Hinsicht. Den Biergarten bei der Minigolfanlage auch. War in den letzten Jahren kaum in Biergärten, aber jetzt habe ich wieder Lust darauf.
Darauf Mapec: An Hannes: Ach du Miesepeter! Noch vor Jahresfrist hättest du selbst so eloquenten Verhau geschrieben. Und heute nix als hemdsärmeliger Kulturpessimismus. Adorno und Marx wären not amused!
Hannes Schalk erwiderte: Kann ich nicht glauben. Dieser Tourihass mit fast xenophober Tendenz und Verteidigung der Dorfromantik sind mir schon lange zuwieder. Adorno war übrigens nicht ganz dicht in dieser Hinsicht was sein Odenwaldfetisch eindrucksvoll belegt. Wobei… die Wälder finde ich auch echt nicht übel.
Mapec: Also da hast du jetzt was völlig falsch verstanden und die Kritik am kapitalen Spektakel mit Xenophobie verwechselt. Darüber müssen wir mal reden.

Schön, wenn sich soviel an Rückmeldungen ergibt. Nur: Warum nicht auf unserem Blog?

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by: Administrator http://kunst.blogsport.de/2017/05/23/art-first-blog-bereitet-ausstellung-vor/#comment-32 Tue, 23 May 2017 14:27:49 +0000 http://kunst.blogsport.de/2017/05/23/art-first-blog-bereitet-ausstellung-vor/#comment-32 Veranstalter von ART FIRST werden die beteiligten drei Künstler sein; wenn sie mit ins Boot nehmen, ist derzeit noch unklar, ebenso die genaue Örtlichkeit. Veranstalter von ART FIRST werden die beteiligten drei Künstler sein; wenn sie mit ins Boot nehmen, ist derzeit noch unklar, ebenso die genaue Örtlichkeit.

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by: Yvonne M. Klug http://kunst.blogsport.de/2017/05/23/art-first-blog-bereitet-ausstellung-vor/#comment-31 Tue, 23 May 2017 10:47:32 +0000 http://kunst.blogsport.de/2017/05/23/art-first-blog-bereitet-ausstellung-vor/#comment-31 Hallo Martin, wer ist denn der Veranstalter der Ausstellung? Hallo Martin,
wer ist denn der Veranstalter der Ausstellung?

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by: Urmiltenberger http://kunst.blogsport.de/2016/12/07/weihnachtliche-oder-besser-adventliche-avantgarde-kunst-in-miltenbergs-altstadt-gesichtet/#comment-30 Mon, 08 May 2017 08:52:56 +0000 http://kunst.blogsport.de/2016/12/07/weihnachtliche-oder-besser-adventliche-avantgarde-kunst-in-miltenbergs-altstadt-gesichtet/#comment-30 Ich habe mich für diese Verunstaltung der Stadt geschämt! Unbegreiflich, dass die Initiatoren für so eine „Müllpositionierung“ auch noch bezahlt werden. Andererseits erfahren wir dadurch doch, wie fähig bzw. unfähig unsere derzeitige „Stadtverwaltung“ ist. Ich habe mich für diese Verunstaltung der Stadt geschämt!
Unbegreiflich, dass die Initiatoren für so eine „Müllpositionierung“ auch noch bezahlt werden.
Andererseits erfahren wir dadurch doch, wie fähig bzw. unfähig unsere derzeitige „Stadtverwaltung“ ist.

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by: Für die Bürgerinnen und Bürger statt für den Tourismus http://kunst.blogsport.de/2017/03/28/dokument-fehlerhafte-stadtentwicklung/#comment-28 Tue, 28 Mar 2017 10:23:10 +0000 http://kunst.blogsport.de/2017/03/28/dokument-fehlerhafte-stadtentwicklung/#comment-28 Mit diesen Zeilen möchte ich dem obigen Beitrag nicht grundsätzlich widersprechen. Im Gegenteil: Es ist darin viel Richtiges angesprochen. Ich möchte dieses nur ergänzen. Ob „Miltenberg das dort geplante Stadtarchiv, Museumsdepot und Jugendzentrum in dieser Form sowie Ausmaß wirklich braucht“, das darf angezweifelt werden. Aber: Miltenberg braucht ein Depot, wohl auch ein Archiv und braucht auch mehr an Jugendzentrum als bisher. Aber der Reihe nach: Die Mehrheit der Exponate von Museen sind nicht in den Ausstellungsräumen zu sehen, sondern lagern im Depot. Dies können schon mal 90 % des Gesamtbestandes sein. Denn immer wieder erhalten Museen wichtige Stiftungen aus Nachlässen oder von Sammlern. Diese können niemals vollständig in die Dauerausstellung integriert werden, sondern stehen für Sonderausstellungen, Ausleihen etc. zur Verfügung. Auch kann nicht irgendein Raum als Depot dienen, sondern nur geeignete Räumlichkeiten mit geregelter Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Sonst handelt es sich nicht um ein Depot, sondern um einen Friedhof der Exponate: Sie werden über kurz oder lang schimmeln, verrotten und der Vergänglichkeit anheim fallen. Ähnliches ist über ein Archiv zu sagen. Auch dieses benötigt geeignete Luftfeuchtigkeit und Temperatur, soll es seinem Zweck – hier: der Archivierung der städtischen Geschichte – dienlich sein. Was wir also sehen: Für wenig Geld ist so etwas nicht zu haben, weder Archiv noch Depot. Das kostet. Und hier kann ein Neubau billiger sein als ein Umbau. Beim Jugendzentrum liegt es etwas anders. Jugendlichen steht weder geregelte Temperatur noch Luftfeuchtigkeit zu, sie brauchen das ja auch nicht. Nur: Sie brauchen geeignete Funktionsräume, einen Veranstaltungsraum und einen Außenbereich (Bolzplatz oder ähnliches). Ob Letzteres überhaupt am neuen Standort gegeben sein kann, das sei mal dahin gestellt. Vor allem aber braucht das Jugendzentrum mehr Personal. Eine halbe Stelle für das JUZ einer ganzen Kreisstadt ist zu wenig! Zumindest Erlenbach/Main sollte da als Vorbild dienen, mit einer erheblich besseren Personalstruktur, damit mehr Angeboten und Möglichkeiten und somit erheblich mehr Zulauf von Jugendlichen. Wir sehen also: Das wirkliche Problem des Miltenberger JUZ ist nicht durch eine Verlagerung an den Stadtrand zu lösen, sondern nur durch mehr Personal. Wie aber sieht es mit der angedachten Alternative zum Stadt-Entree aus? Es ist schön, Wohnungen zu erhalten und zu fördern. Es ist auch mehr als nur nötig, es ist dringendst nötig. Nur kann die Stadt Miltenberg die 50 oder 70 oder 100 Wohneinheiten, die in der gesamten Innenstadt leer stehen dürften, beim besten Willen nicht alle selbst renovieren und dann kostengünstigst an Privat abstoßen. Hier versagt ganz einfach das, was sich soziale Marktwirtschaft nennt. Eigentum verpflichtet – aber eben zu nichts. Zumindest nicht dazu, das von den Vorfahren Ererbte zu erhalten. Und eine geregelte Wohnraumbewirtschaftung wird durch die Eigentumsverhältnisse auch verhindert. Um das zu sehen, muss man nicht einmal Kommunist sein. Man muss nur sehen und nachdenken können. Ebenso ist es mit den Ladengeschäften. Sie werden schlicht nicht mehr benötigt, nachdem das Internet etabliert wurde (zuvor der Versandhandel per Katalog) und die deutlich preiswerteren Geschäfte an den Ortsrändern erlaubt wurden. Und wenn Miltenberg diese nicht erlaubt, dann machen es andere (herzlichen Dank nach Kleinheubach: Ihr habt ja wunderbar gezeigt, wie toll der Innenort belebt wird, wenn man in der Seehecke die Läden genehmigt!). Es ist also zu bezweifeln, ob städtisches Engagement in der Innenstadt mehr sein kann als punktuelle Hilfe. Oder aber die Stadt gründet eine langfristig angelegte Wohnbau- und eine Verkaufsgenossenschaft, d.h. sie tritt selbst als Hauskäufer und Wohnungsvermieter sowie als Inhaber eines oder mehrerer Ladengeschäfte in Erscheinung, die alles das im Sortiment haben, was unter dem Gesichtspunkt der Gewinnerzielung nicht mehr rentabel ist. Für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger, für Menschen mit geringer Mobilität und für ein durchmischtes Sortiment in der Innenstadt wäre das dringend angezeigt. Die Alternative sind verfallende Wohnungen und ein extrem reduziertes Sortiment aus Kitsch und Nippes, aus Bratwurst und Bier – eben das, was jene Menschen mögen, denen offenbar eh schon das ganze Sinnen und Trachten städtischer Politik gilt: die heiligen Touristen! Mapec Mit diesen Zeilen möchte ich dem obigen Beitrag nicht grundsätzlich widersprechen. Im Gegenteil: Es ist darin viel Richtiges angesprochen. Ich möchte dieses nur ergänzen.

Ob „Miltenberg das dort geplante Stadtarchiv, Museumsdepot und Jugendzentrum in dieser Form sowie Ausmaß wirklich braucht“, das darf angezweifelt werden. Aber: Miltenberg braucht ein Depot, wohl auch ein Archiv und braucht auch mehr an Jugendzentrum als bisher.

Aber der Reihe nach:

Die Mehrheit der Exponate von Museen sind nicht in den Ausstellungsräumen zu sehen, sondern lagern im Depot. Dies können schon mal 90 % des Gesamtbestandes sein. Denn immer wieder erhalten Museen wichtige Stiftungen aus Nachlässen oder von Sammlern. Diese können niemals vollständig in die Dauerausstellung integriert werden, sondern stehen für Sonderausstellungen, Ausleihen etc. zur Verfügung. Auch kann nicht irgendein Raum als Depot dienen, sondern nur geeignete Räumlichkeiten mit geregelter Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Sonst handelt es sich nicht um ein Depot, sondern um einen Friedhof der Exponate: Sie werden über kurz oder lang schimmeln, verrotten und der Vergänglichkeit anheim fallen.

Ähnliches ist über ein Archiv zu sagen. Auch dieses benötigt geeignete Luftfeuchtigkeit und Temperatur, soll es seinem Zweck – hier: der Archivierung der städtischen Geschichte – dienlich sein. Was wir also sehen: Für wenig Geld ist so etwas nicht zu haben, weder Archiv noch Depot. Das kostet. Und hier kann ein Neubau billiger sein als ein Umbau.

Beim Jugendzentrum liegt es etwas anders. Jugendlichen steht weder geregelte Temperatur noch Luftfeuchtigkeit zu, sie brauchen das ja auch nicht. Nur: Sie brauchen geeignete Funktionsräume, einen Veranstaltungsraum und einen Außenbereich (Bolzplatz oder ähnliches). Ob Letzteres überhaupt am neuen Standort gegeben sein kann, das sei mal dahin gestellt. Vor allem aber braucht das Jugendzentrum mehr Personal. Eine halbe Stelle für das JUZ einer ganzen Kreisstadt ist zu wenig! Zumindest Erlenbach/Main sollte da als Vorbild dienen, mit einer erheblich besseren Personalstruktur, damit mehr Angeboten und Möglichkeiten und somit erheblich mehr Zulauf von Jugendlichen. Wir sehen also: Das wirkliche Problem des Miltenberger JUZ ist nicht durch eine Verlagerung an den Stadtrand zu lösen, sondern nur durch mehr Personal.

Wie aber sieht es mit der angedachten Alternative zum Stadt-Entree aus?

Es ist schön, Wohnungen zu erhalten und zu fördern. Es ist auch mehr als nur nötig, es ist dringendst nötig. Nur kann die Stadt Miltenberg die 50 oder 70 oder 100 Wohneinheiten, die in der gesamten Innenstadt leer stehen dürften, beim besten Willen nicht alle selbst renovieren und dann kostengünstigst an Privat abstoßen. Hier versagt ganz einfach das, was sich soziale Marktwirtschaft nennt. Eigentum verpflichtet – aber eben zu nichts. Zumindest nicht dazu, das von den Vorfahren Ererbte zu erhalten. Und eine geregelte Wohnraumbewirtschaftung wird durch die Eigentumsverhältnisse auch verhindert. Um das zu sehen, muss man nicht einmal Kommunist sein. Man muss nur sehen und nachdenken können.

Ebenso ist es mit den Ladengeschäften. Sie werden schlicht nicht mehr benötigt, nachdem das Internet etabliert wurde (zuvor der Versandhandel per Katalog) und die deutlich preiswerteren Geschäfte an den Ortsrändern erlaubt wurden. Und wenn Miltenberg diese nicht erlaubt, dann machen es andere (herzlichen Dank nach Kleinheubach: Ihr habt ja wunderbar gezeigt, wie toll der Innenort belebt wird, wenn man in der Seehecke die Läden genehmigt!).

Es ist also zu bezweifeln, ob städtisches Engagement in der Innenstadt mehr sein kann als punktuelle Hilfe. Oder aber die Stadt gründet eine langfristig angelegte Wohnbau- und eine Verkaufsgenossenschaft, d.h. sie tritt selbst als Hauskäufer und Wohnungsvermieter sowie als Inhaber eines oder mehrerer Ladengeschäfte in Erscheinung, die alles das im Sortiment haben, was unter dem Gesichtspunkt der Gewinnerzielung nicht mehr rentabel ist. Für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger, für Menschen mit geringer Mobilität und für ein durchmischtes Sortiment in der Innenstadt wäre das dringend angezeigt. Die Alternative sind verfallende Wohnungen und ein extrem reduziertes Sortiment aus Kitsch und Nippes, aus Bratwurst und Bier – eben das, was jene Menschen mögen, denen offenbar eh schon das ganze Sinnen und Trachten städtischer Politik gilt: die heiligen Touristen!

Mapec

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by: Juergen Kadow http://kunst.blogsport.de/2016/12/08/zur-vision-der-jungfrau-maria/#comment-26 Fri, 09 Dec 2016 06:46:11 +0000 http://kunst.blogsport.de/2016/12/08/zur-vision-der-jungfrau-maria/#comment-26 Die Behauptung, den Titel "Die Vision der Jungfrau Maria vom Kreuz" niemals vergeben zu haben, ist keine Behauptung, sondern eine Tatsache. Durch das falsche Zitieren von Frau Dr. Glaser-Kissenberth in ihrem Leserbrief wird die ganze Diskussion gleich in eine völlig falsche, einseitige Richtung gelenkt. Es gibt mehrere Deutungen dieses Bildes. Der Name "Jungfrau Maria" ist nicht kirchlich geschützt, da gibt es kein Copyright und keine Eindeutigkeit im Gegensatz zur "Heiligen Jungfrau Maria". Es kann sich auch, wie in einem Leserbrief beschrieben, um eine junge Frau Maria handeln. Und wieviele Marias gibt es wohl weltweit, die noch Jungfrau sind, vielleicht eine Vision haben von ihrem künftigen Schicksal? Das Kreuz (auch kein nur kirchliches Eigentum) ist hier Sinnbild für das Aufeinandertreffen zweier schicksalshafter Begebenheiten. So ist es. Jürgen Kadow Die Behauptung, den Titel „Die Vision der Jungfrau Maria vom Kreuz“ niemals vergeben zu haben, ist keine Behauptung, sondern eine Tatsache. Durch das falsche Zitieren von Frau Dr. Glaser-Kissenberth in ihrem Leserbrief wird die ganze Diskussion gleich in eine völlig falsche, einseitige Richtung gelenkt. Es gibt mehrere Deutungen dieses Bildes. Der Name „Jungfrau Maria“ ist nicht kirchlich geschützt, da gibt es kein Copyright und keine Eindeutigkeit im Gegensatz zur „Heiligen Jungfrau Maria“. Es kann sich auch, wie in einem Leserbrief beschrieben, um eine junge Frau Maria handeln. Und wieviele Marias gibt es wohl weltweit, die noch Jungfrau sind, vielleicht eine Vision haben von ihrem künftigen Schicksal? Das Kreuz (auch kein nur kirchliches Eigentum) ist hier Sinnbild für das Aufeinandertreffen zweier schicksalshafter Begebenheiten. So ist es.
Jürgen Kadow

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by: AGS http://kunst.blogsport.de/2016/11/22/monatstreffen-der-anderen-art/#comment-25 Tue, 22 Nov 2016 15:50:31 +0000 http://kunst.blogsport.de/2016/11/22/monatstreffen-der-anderen-art/#comment-25 19.11.2016, 19:47 Uhr, LÖW-Haus, Klingenberg am Main Ich fand die Vernissage, die Reden und das Umfeld am 19. November 2016 im LÖW-Haus in Klingenberg am Main sehr anregend. Mehr oder weniger zufällig hatte ich einen Fotoapparat dabei und habe ein Bild geknipst. Das Bild hat keinen Titel. Wie einer der Redner gestern sagte, brauchen gute Bilder keinen Titel, um zu wirken. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Auch äußerst langweilige Amateurbilder brauchen keinen Titel, um ein Werk aufzupeppen. Ich behaupte, allein die Nennung des Ortes und der Zeit reichen aus, um aus dem, was sie sogar nicht zeigen, eine künstliche= abstrakte Wirkung zu erzeugen. Die Ort- und Zeitdaten des beigefügten Bildes sind: Aufgenommen am 19.11.2016 um 19:47 Uhr im LÖW-Haus in Klingenberg am Main. Diese Angaben sollten reichen, um bei denen, die zur selben Zeit anwesend waren, eine gewisse Wirkung zu erzeugen, nämlich aus dem Wechselspiel ihrer Erinnerungen und der von ihnen und Dritten zugesprochenen Bedeutung der Objekte im Haus, ihrer Nichtabbildung auf dem Foto und der Information, dass das Loch in der Betonwand das einzige ist, was an dem Abend, den Weg auf den Fotosensor fand. Um es mit der Mengenlehre auszudrücken: Jedes beliebige Foto von dem Ort in dem abendlichen Zeitfenster, welches Objekte darstellt, die "nicht Element der Menge der Kunstwerke" sind, erzielt eine ähnliche Wirkung, bei denen, die um Ort, Zeit und Bedeutung wussten. Sehr wahrscheinlich tauchen Begriffe wie Ignoranz, Verachtung und Desinteresse als erstes auf. Damit erweitert sich aber das Bild zu einer zielgruppengerichteten und geplanten Interaktion. Naturgemäß sind Aktionen in dieser Richtung eltitär, denn sie können nur von denen decodiert werden, die anwesend waren oder um die nicht weiter genannte Bedeutung des Raums und des Zeitpunkts wissen. Der Nichtwissende bleibt hingegen blind und könnte nicht einmal sagen, ob nicht ein Heizungsmonteur ein Arbeitsfoto für seinen Gesellen geschossen hat. So ließen sich Bilder von etablierten Kunstorten austauschen und nur ein kleiner Kreis würde wissen, wer gerade missachtet wird. Als "Angriff aus dem rechten Winkel", könnten in der Folge Museumsmitarbeiter*innen, die sich der Aktion anschließen, heimlich Schilder in den Kusthallen aufhängen wie "Das heimliche Fotografieren von Steckdosen ist verboten." Wie nennt man dies? Ist dies selbst Kunst, solange keine Kunst eingefangen wird? Diesen Akt der gewollten Ignorierung der Kunst könnte man selbst zu einer Gegenkunst stilisieren und diese Gegenkunst - würde sie jemals ausgestellt werden - wiederum in einer Gegegengegenkunst vortrefflich ignorieren usw... Diese Ja-Nein-Iterationen sind nicht einmal neu, bilden sie doch analog zur kapitalistischen Vermarktung der Kritik am Kapitalismus - wie sie allerorts systemerhaltend zu konsumieren ist - echte Realtäten ab. Wer mitmachen will, kann ohne jegliches Talent nachziehen: Bei mir sammeln sich z. B. Bilder von Steckdosen, Feuermeldern und Heizungsreglern, die ihre Wirkung einzig daraus ziehen, dass ich sie auf der letzten documenta in Kassel oder in anderen Museen dieser Welt aufgenommen habe - so als Happening unter der Beobachtung vielen Besucher, die verdutzt den Kopf schüttelten, wie einst die Menschen vor 100 Jahren, als sie das sahen, was heute die etablierte Kunstszene ausmacht. 19.11.2016, 19:47 Uhr, LÖW-Haus, Klingenberg am Main

Ich fand die Vernissage, die Reden und das Umfeld am 19. November 2016 im LÖW-Haus in Klingenberg am Main sehr anregend. Mehr oder weniger zufällig hatte ich einen Fotoapparat dabei und habe ein Bild geknipst.

Das Bild hat keinen Titel. Wie einer der Redner gestern sagte, brauchen gute Bilder keinen Titel, um zu wirken. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Auch äußerst langweilige Amateurbilder brauchen keinen Titel, um ein Werk aufzupeppen.

Ich behaupte, allein die Nennung des Ortes und der Zeit reichen aus, um aus dem, was sie sogar nicht zeigen, eine künstliche= abstrakte Wirkung zu erzeugen. Die Ort- und Zeitdaten des beigefügten Bildes sind:

Aufgenommen am 19.11.2016 um 19:47 Uhr im LÖW-Haus in Klingenberg am Main.

Diese Angaben sollten reichen, um bei denen, die zur selben Zeit anwesend waren, eine gewisse Wirkung zu erzeugen, nämlich aus dem Wechselspiel ihrer Erinnerungen und der von ihnen und Dritten zugesprochenen Bedeutung der Objekte im Haus, ihrer Nichtabbildung auf dem Foto und der Information, dass das Loch in der Betonwand das einzige ist, was an dem Abend, den Weg auf den Fotosensor fand.

Um es mit der Mengenlehre auszudrücken: Jedes beliebige Foto von dem Ort in dem abendlichen Zeitfenster, welches Objekte darstellt, die „nicht Element der Menge der Kunstwerke“ sind, erzielt eine ähnliche Wirkung, bei denen, die um Ort, Zeit und Bedeutung wussten.

Sehr wahrscheinlich tauchen Begriffe wie Ignoranz, Verachtung und Desinteresse als erstes auf. Damit erweitert sich aber das Bild zu einer zielgruppengerichteten und geplanten Interaktion. Naturgemäß sind Aktionen in dieser Richtung eltitär, denn sie können nur von denen decodiert werden, die anwesend waren oder um die nicht weiter genannte Bedeutung des Raums und des Zeitpunkts wissen.

Der Nichtwissende bleibt hingegen blind und könnte nicht einmal sagen, ob nicht ein Heizungsmonteur ein Arbeitsfoto für seinen Gesellen geschossen hat. So ließen sich Bilder von etablierten Kunstorten austauschen und nur ein kleiner Kreis würde wissen, wer gerade missachtet wird. Als „Angriff aus dem rechten Winkel“, könnten in der Folge Museumsmitarbeiter*innen, die sich der Aktion anschließen, heimlich Schilder in den Kusthallen aufhängen wie „Das heimliche Fotografieren von Steckdosen ist verboten.“

Wie nennt man dies? Ist dies selbst Kunst, solange keine Kunst eingefangen wird?

Diesen Akt der gewollten Ignorierung der Kunst könnte man selbst zu einer Gegenkunst stilisieren und diese Gegenkunst – würde sie jemals ausgestellt werden – wiederum in einer Gegegengegenkunst vortrefflich ignorieren usw…

Diese Ja-Nein-Iterationen sind nicht einmal neu, bilden sie doch analog zur kapitalistischen Vermarktung der Kritik am Kapitalismus – wie sie allerorts systemerhaltend zu konsumieren ist – echte Realtäten ab.

Wer mitmachen will, kann ohne jegliches Talent nachziehen: Bei mir sammeln sich z. B. Bilder von Steckdosen, Feuermeldern und Heizungsreglern, die ihre Wirkung einzig daraus ziehen, dass ich sie auf der letzten documenta in Kassel oder in anderen Museen dieser Welt aufgenommen habe – so als Happening unter der Beobachtung vielen Besucher, die verdutzt den Kopf schüttelten, wie einst die Menschen vor 100 Jahren, als sie das sahen, was heute die etablierte Kunstszene ausmacht.

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by: Administrator http://kunst.blogsport.de/2016/08/11/leserbrief-kunst-und-wirtschaft/#comment-24 Thu, 11 Aug 2016 07:27:53 +0000 http://kunst.blogsport.de/2016/08/11/leserbrief-kunst-und-wirtschaft/#comment-24 Als Dokument fügen wir den vollständigen Text (vor der von der Redaktion gewünschten Kürzung) des Leserbriefes an: Leserbrief zu „Ein Wirtschaftsfaktor erwacht aus dem Dornröschenschlaf“ sowie zum gleichen Thema „Zusammen geht es besser“ und „Seid kreativ!“, sämtlich in der Ausgabe vom 23./24. Juli 2016 Wenn sich die Lokalzeitung Gedanken zu Kunst und Kreativem macht, dann ist das erfreulich. Nicht so jedoch bei den genannten Beiträgen in der letzten Wochenend-Ausgabe. Denn falls Ottmar Hörl als Präsident der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg tatsächlich geraten hat, dass wirtschaftlich erfolglose Künstlerinnen und Künstler ihre Kunst an den Nagel hängen sollen, dann hätte er sowohl Joseph Beuys als auch Vincent van Gogh und vielen anderen großen Kunstschaffenden einen für die Kunstwelt fatal wirkenden Rat gegeben. Auch konnten jene als geistig krank oder psychisch auffällig bezeichneten Kunstschaffenden (man denke an die Prinzhorn-Sammlung oder die einst in Wertheim lebende Erika Orysik) von vornherein nicht auf wirtschaftlichen Erfolg hoffen. Diese Menschen haben dennoch eindrucksstarke und wichtige Beiträge zur internationalen Kunst geleistet. Um es klar zu sagen: In wirtschaftlich erfolgreicher bildender Kunst kann sich vieles ausdrücken: die Anpassung an den Zeitgeist, Gefälligkeit an den Massengeschmack, aggressives Durchsetzungsvermögen, Berechnung … und zuweilen auch Zeichen von Qualität. Wirtschaftlicher Erfolg alleine kann jedoch keinesfalls Zeichen von künstlerisch-kreativer Güte sein. Umgekehrt kann das Schielen auf wirtschaftlichen Erfolg so manchen Kunstschaffenden dazu bringen, statt der eigenen kreativen Originalität die jeweils angesagte Dutzendware zu produzieren. Der zitierte Satz „ich mache mich zum Standort“ mag originell klingen, riecht aber streng nach dem Versuch, dem ökonomischen Zeitgeist hinterher zu hecheln. Worauf die Artikel abzuzielen scheinen, erklärt sich in den genannten Beiträgen spätestens bei der Reihung jener Teilbereiche („Teilmärkte“), die für die sog. Kunst- und Kreativwirtschaft angeführt werden. Bis hin zu Design, Softwareentwicklung und Werbung wird irgendwie alles unter „kreativ und künstlerisch“ gefasst. Das ist vergleichbar mit dem Versuch, von Fußball über Ballett und Oper bis hin zum Schafkopfspiel alles unter „Sport und Spiel“ zusammenzufassen. Ein Sammelsurium also, das nichts mehr erklärt und bestenfalls der Idee geschuldet ist, alles unter das Diktat der wirtschaftlichen Verwertung zu fassen, und zwar bis hinein in die letzten Winkel des Kunstmachens. Wäre es nicht stattdessen Aufgabe der öffentlichen Hand, der Medien und der von Steuergeldern bezahlten Kunstfachleute, das zu stützen und zu fördern, was in der Kunst entwickelt werden kann? Es scheint uns zwingend nötig, gerade mit der bildenden Kunst in Opposition zu gehen zur immer mehr diktatorisch durchregierenden, angeblichen ökonomischen Vernunft, die nur eines kennt: die Ausrichtung möglichst aller Menschen und aller Dinge nach wirtschaftlich verwertbaren Gesichtspunkten. Dass der Autor des Artikels, Stefan Reis, sich mit seiner Diktion dem so bruchlos anzupassen scheint (siehe auch sein handzahmer Kommentar), statt gegen diese einseitig monetäre Ausrichtung und damit Verächtlichmachung der Kunst zu protestieren, hat uns erstaunt. Wer beispielsweise aufmerksam das Museum in der Mildenburg besucht, kann die Erfahrung machen, Kunst als das zu finden, was beständig über das Jetzt hinausweist, über das Jetzt als zeitliche Beschränkung wie auch über jenes, das uns einreden will, die aktuell herrschende Unvernunft als einzig mögliche Daseinsweise zu setzen. Wer jedoch diese Kunst unter dem Gesichtspunkt des Marktwerts der Bilder oder des touristischen Werts des Burgmuseums betrachtet, wird das Wesentliche verfehlen. Als Dokument fügen wir den vollständigen Text (vor der von der Redaktion gewünschten Kürzung) des Leserbriefes an:

Leserbrief zu „Ein Wirtschaftsfaktor erwacht aus dem Dornröschenschlaf“ sowie zum gleichen Thema „Zusammen geht es besser“ und „Seid kreativ!“, sämtlich in der Ausgabe vom 23./24. Juli 2016

Wenn sich die Lokalzeitung Gedanken zu Kunst und Kreativem macht, dann ist das erfreulich. Nicht so jedoch bei den genannten Beiträgen in der letzten Wochenend-Ausgabe. Denn falls Ottmar Hörl als Präsident der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg tatsächlich geraten hat, dass wirtschaftlich erfolglose Künstlerinnen und Künstler ihre Kunst an den Nagel hängen sollen, dann hätte er sowohl Joseph Beuys als auch Vincent van Gogh und vielen anderen großen Kunstschaffenden einen für die Kunstwelt fatal wirkenden Rat gegeben. Auch konnten jene als geistig krank oder psychisch auffällig bezeichneten Kunstschaffenden (man denke an die Prinzhorn-Sammlung oder die einst in Wertheim lebende Erika Orysik) von vornherein nicht auf wirtschaftlichen Erfolg hoffen. Diese Menschen haben dennoch eindrucksstarke und wichtige Beiträge zur internationalen Kunst geleistet.

Um es klar zu sagen: In wirtschaftlich erfolgreicher bildender Kunst kann sich vieles ausdrücken: die Anpassung an den Zeitgeist, Gefälligkeit an den Massengeschmack, aggressives Durchsetzungsvermögen, Berechnung … und zuweilen auch Zeichen von Qualität. Wirtschaftlicher Erfolg alleine kann jedoch keinesfalls Zeichen von künstlerisch-kreativer Güte sein. Umgekehrt kann das Schielen auf wirtschaftlichen Erfolg so manchen Kunstschaffenden dazu bringen, statt der eigenen kreativen Originalität die jeweils angesagte Dutzendware zu produzieren.

Der zitierte Satz „ich mache mich zum Standort“ mag originell klingen, riecht aber streng nach dem Versuch, dem ökonomischen Zeitgeist hinterher zu hecheln.

Worauf die Artikel abzuzielen scheinen, erklärt sich in den genannten Beiträgen spätestens bei der Reihung jener Teilbereiche („Teilmärkte“), die für die sog. Kunst- und Kreativwirtschaft angeführt werden. Bis hin zu Design, Softwareentwicklung und Werbung wird irgendwie alles unter „kreativ und künstlerisch“ gefasst. Das ist vergleichbar mit dem Versuch, von Fußball über Ballett und Oper bis hin zum Schafkopfspiel alles unter „Sport und Spiel“ zusammenzufassen. Ein Sammelsurium also, das nichts mehr erklärt und bestenfalls der Idee geschuldet ist, alles unter das Diktat der wirtschaftlichen Verwertung zu fassen, und zwar bis hinein in die letzten Winkel des Kunstmachens.

Wäre es nicht stattdessen Aufgabe der öffentlichen Hand, der Medien und der von Steuergeldern bezahlten Kunstfachleute, das zu stützen und zu fördern, was in der Kunst entwickelt werden kann? Es scheint uns zwingend nötig, gerade mit der bildenden Kunst in Opposition zu gehen zur immer mehr diktatorisch durchregierenden, angeblichen ökonomischen Vernunft, die nur eines kennt: die Ausrichtung möglichst aller Menschen und aller Dinge nach wirtschaftlich verwertbaren Gesichtspunkten.

Dass der Autor des Artikels, Stefan Reis, sich mit seiner Diktion dem so bruchlos anzupassen scheint (siehe auch sein handzahmer Kommentar), statt gegen diese einseitig monetäre Ausrichtung und damit Verächtlichmachung der Kunst zu protestieren, hat uns erstaunt.

Wer beispielsweise aufmerksam das Museum in der Mildenburg besucht, kann die Erfahrung machen, Kunst als das zu finden, was beständig über das Jetzt hinausweist, über das Jetzt als zeitliche Beschränkung wie auch über jenes, das uns einreden will, die aktuell herrschende Unvernunft als einzig mögliche Daseinsweise zu setzen. Wer jedoch diese Kunst unter dem Gesichtspunkt des Marktwerts der Bilder oder des touristischen Werts des Burgmuseums betrachtet, wird das Wesentliche verfehlen.

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by: Administrator http://kunst.blogsport.de/2016/06/13/12m26-gegruendet/#comment-23 Sun, 10 Jul 2016 12:33:23 +0000 http://kunst.blogsport.de/2016/06/13/12m26-gegruendet/#comment-23 Wenn man es errät, bekommt man nix. Wenn man fragt, bekommt man eine Antwort. Siehe hier: http://kunst.blogsport.de/2016/06/13/selbstverstaendnis-kurzfassung/ Wenn man es errät, bekommt man nix. Wenn man fragt, bekommt man eine Antwort. Siehe hier: http://kunst.blogsport.de/2016/06/13/selbstverstaendnis-kurzfassung/

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