Lasst uns mit dem Krach in Ruhe

Für das Wesentliche ist gesorgt. Schönen Dank auch.

Hat der „in diesem unserem Lande“ (Kohl) so weit verbreitete Unfug, sich beständig Vorwände für das kollektive Zuführen rauscherzeugender Flüssigkeiten zu verschaffen, irgendetwas mit Kultur zu tun? Ja. Es ist die Kultur derer, die in ihrem Leben zu wenig solidarische Kollektivität, zu wenig echte Erregung, zu wenig beglückenden Spaß, zu viel an Arbeitslangeweile oder wahlweise Arbeitsstress haben, die einmal wirklich abschalten oder wirklich etwas erleben wollen. Es ist die Kultur von uns allen. Dass wir aber genau mit diesen kollektiven Besäufnissen eben nicht dahin kommen, wo wir gerne hinkämen – geschenkt.

Klar ist aber, dass die Rauschmittelindustrie ebenso wie der stets rege gewerbetreibende Mittelstand hier gewinnorientiert einschreiten. Klar auch, dass dies seltsame bis hässliche, komische bis katastrophale Auswirkungen zeigt. Beispiel? Gerne: Der neue „Biergarten“ in den Mainanlagen der Kleinstadt Miltenberg, die von den Verantwortlichen gerne etwas überheblich als „Perle des Mains“ bezeichnet wird.

Ein zusammengeschustertes Etwas steht da, an schlechte Kirmes erinnernd, etwas einsam in die Landschaft gepflanzt, lieblos erstellt. Der sich „Biergarten“ schimpfende temporäre Bewirtungsbetrieb kann nicht verhehlen, dass er nur zu dem Zweck ins Leben gerufen wurde, noch einige schöne Tausender an Reingewinn aus dem saufenden Völkchen von Miltenberg und den stets als Landplage einfallenden Touristen zu saugen. Denn so stellt sich der Durchschnitts-US-Amerikaner Bayern vor, so vermutet die durchschnittliche Kanadierin, müsse Deutschland sein, so will der aus Japan zum Kurzurlaub vorbeischauende Mensch seine Vorurteile über Zentraleuropa bestätigt sehen. Und der Einheimische will sein Bier. Das aus der lokalen Brauerei, das er schon trinkt, seit er den Windeln entwachsen ist – oder zumindest seit kaum später. Wie gesagt: Das ist die Kultur der Zukurzgekommenen, also die von uns allen. Daher: Schwamm drüber!

Denn dieses Konglomerat des schlechten Geschmacks mit seiner Auswirkung der kotzenden Besoffenheit muss genau da stehen bleiben! Hier, ziemlich weit entfernt von den Behausungen der Bürgerinnen und Bürger der Kleinstadt am Main, ist der Unfug gerade noch aushaltbar. Käme der „Biergarten“ näher an die menschlichen Wohnungen heran, wäre der Terror des angesoffenen Pöbels unhaltbar. Lärm, Lärm und nochmal Lärm, dazu Kotze, Pisse, Scheiße. Wir wissen das alle, den wir alle waren schonmal dabei bei diesem Pöbel. Daher: Bringt die (Un-)Kultur nie zu nahe zu jenen Menschen, die vielleicht doch nicht alle so verroht sind, dass sie Lärm und Gestank als angenehm empfinden. Musiktempel und Bierschwemmen raus aus den bewohnten Gebieten! Lasst uns doch mit dem Krach in Ruhe!

Und für alles Weitere frage einfach bei dem nach, der mit den Drogen handelt und daran äußerst gut verdient – oder wie der Engländer sagt: Ask your local dealer (his name is FAUST).

Max A. Franke


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